Editorische Notiz

Die Société des Amis de Marcel Proust stellt zwölf Texte von Marcel Proust online zur Verfügung. Diese Seite gibt für jeden von ihnen an, auf welche gedruckte Ausgabe er zurückgeht — und, wo die Geschichte seiner Veröffentlichung Spuren im Text selbst hinterlassen hat, was man darüber wissen sollte, um ihn in voller Kenntnis der Umstände zu lesen.

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Woher der Text stammt

Der Text ist den Transkriptionen von Wikisource entnommen, die unter der Lizenz Creative Commons BY-SA 3.0 stehen. Jedes Werk wird in einer bestimmten Version übernommen, deren Nummer und Datum in unseren Dateien verzeichnet und über den Bereich Quellen und Nachweise am Ende jedes Abschnitts der Leseansicht einsehbar sind.

Diese Transkriptionen wurden von den Mitwirkenden von Wikisource Seite für Seite anhand der Fotografien zeitgenössischer Ausgaben erstellt, die auf Wikimedia Commons digitalisiert vorliegen und größtenteils aus Gallica und dem Internet Archive stammen. Das zugrunde gelegte Faksimile ist nicht immer die Erstausgabe: Bei mehreren Bänden handelt es sich um einen späteren Druck. Die Einzelheiten finden sich weiter unten, Werk für Werk.

Wikisource unterscheidet zwei Stufen der Korrekturlesung: Ein korrekturgelesener Text (corrigé) wurde einmal durchgesehen, ein validierter Text (validé) ein zweites Mal von einem anderen Mitwirkenden. Von den fünfzehn Bänden der Recherche sind sechs validiert; die übrigen sind korrekturgelesen, aber noch nicht validiert. Wir geben dies für jedes Werk an.

Unsere eigenen Eingriffe sind technischer Art und haben nie den Text selbst betroffen: Entfernung der Navigationsmarken von Wikisource, Bereinigung des Markups, Vereinheitlichung der Zeichen und Gliederung in Abschnitte.

Was wir nicht wiedergeben können

Das Werk Prousts ist gemeinfrei. Die Arbeit der modernen Herausgeber, die seinen Text erstellt haben, ist es dagegen nicht: Die Pléiade-Ausgabe unter der Leitung von Pierre Clarac und André Ferré, die unter der Leitung von Jean-Yves Tadié, die Ausgaben von Jean Milly oder die des Livre de Poche unterliegen noch für mehrere Jahrzehnte dem Urheberrecht.

Wir können daher nur Ausgaben übernehmen, die selbst gemeinfrei sind, das heißt die zeitgenössischen Drucke. Wo eine moderne kritische Ausgabe einen abweichenden, vollständigeren oder anders angeordneten Text bietet, weisen wir darauf hin, ohne ihn wiedergeben zu können. Das gilt insbesondere für die venezianische Episode von Albertine disparue.

À la recherche du temps perdu

Die sieben Teile sind der Ausgabe der Nouvelle Revue Française entnommen, in der der Roman materiell in fünfzehn Bände aufgeteilt ist. Die ersten vier Teile sind zu Prousts Lebzeiten erschienen; die letzten drei sind postum, und bei ihnen hat die Geschichte der Veröffentlichung die größten Folgen für den Text.

Du côté de chez Swann

Erschienen 1913 bei Grasset, von der NRF übernommen. Die Leseansicht folgt zwei Faksimiles verschiedener Ausgaben: dem Gallimard-Druck von 1946 für Band 1, dem von 1919 für Band 2. Beide Transkriptionen sind validiert.

À l’ombre des jeunes filles en fleurs

Erschienen 1919, im selben Jahr mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Faksimiles: Gallimard, Bände 3, 4 und 5 des Drucks von 1919. Transkriptionen validiert.

Le Côté de Guermantes

Erschienen in zwei Teilen, 1920 und 1921. Faksimiles: Gallimard, Bände 6, 7 und 8 des Drucks von 1921. Band 8 ist validiert; die Bände 6 und 7 sind korrekturgelesen, aber noch nicht validiert.

Sodome et Gomorrhe

Erschienen 1921 und 1922, der letzte zu Prousts Lebzeiten veröffentlichte Teil. Faksimiles: Gallimard, Bände 9 und 10 des Drucks von 1924. Transkriptionen korrekturgelesen, noch nicht validiert.

La Prisonnière

Faksimiles: Gallimard, Bände 11 und 12 des Drucks von 1946. Erstveröffentlichung 1923. Transkriptionen korrekturgelesen, noch nicht validiert.

Der erste postume Teil. Proust hat bis zuletzt daran gearbeitet: Drei Typoskripte folgten aufeinander, und das letzte trägt von seiner Hand den Titel La Prisonnière (première partie de Sodome et Gomorrhe III). Er überarbeitete den Text bis zum 6. November 1922, zwölf Tage vor seinem Tod. Der Teil wurde 1923 von seinem Bruder Robert Proust und von Jacques Rivière auf der Grundlage dieses Typoskripts veröffentlicht.

Dieser Titel macht La Prisonnière zum ersten Teil eines Ganzen, Sodome et Gomorrhe III, von dem La NRF 1922 angekündigt hatte, es werde La Prisonnière und Albertine disparue umfassen. 1993 veröffentlichte Nathalie Mauriac Dyer bei Le Livre de Poche classique Sodome et Gomorrhe III. La Prisonnière suivi d’Albertine disparue, das dieses Ganze so rekonstruiert, wie Proust es angekündigt hatte. Die Geschichte des zweiten Teils wird im folgenden Eintrag nachgezeichnet.

Albertine disparue

Faksimile: Gallimard, Band 13 des Drucks von 1927. Erstveröffentlichung 1925. Transkription korrekturgelesen, noch nicht validiert.

Es ist der Teil, dessen Textkonstitution am stärksten umstritten ist, und der einzige, in dem der von uns bereitgestellte Text eine identifizierbare Lücke aufweist. Er gibt die Erstausgabe von 1925 wieder, die Robert Proust und das Team der NRF auf der Grundlage eines Typoskripts erstellt haben, das der Autor nicht selbst korrigiert hatte. Die Gliederung in vier Kapitel und deren Überschriften gehen auf diese ersten Herausgeber zurück.

Der Titel hingegen ist tatsächlich der Prousts. Im Juni 1986 entdeckte Claude Mauriac in den Archiven von Suzy Mante-Proust, der Tochter Robert Prousts und Nichte des Schriftstellers, die in jenem Jahr gestorben war, ein weiteres Typoskript: 1922 von Proust korrigiert, trägt es von seiner Hand den Titel Albertine disparue, und dasjenige, das die Herausgeber von 1925 benutzt hatten, erweist sich als ein Durchschlag davon. Die Tochter von Claude Mauriac, Nathalie Mauriac, heute Nathalie Mauriac Dyer, hat es zusammen mit Étienne Wolff ediert: Albertine disparue, édition originale de la dernière version revue par l’auteur (Grasset, 1987). Dieses Dokument letzter Hand hat das Ausmaß der Umarbeitungen sichtbar gemacht, die Proust noch in seinen letzten Monaten vornahm, sowie die strukturelle Unabgeschlossenheit der Recherche.

Insbesondere die venezianische Episode stammt nicht unmittelbar aus den handschriftlichen Heften. Proust hatte im Dezember 1919 der Zeitschrift Feuillets d’art einen Artikel mit dem Titel „À Venise“ („In Venedig“) überlassen, der das Manuskript nur sehr auszugsweise übernahm und dabei ausließ, was Albertine und stellenweise die Mutter des Helden betraf. Dieser gekürzte Text diente im Typoskript als Grundlage der Episode; man findet ihn in der von Proust 1922 korrigierten Fassung ebenso wie in der Ausgabe von 1925.

Daraus folgt, dass mehrere Seiten, die in den Heften stehen, in dem von uns bereitgestellten Text fehlen: der Besuch des Baptisteriums von San Marco mit der Mutter des Helden, die Besichtigung der Gemälde Carpaccios in der Accademia, die Suche nach Ersatzliebschaften in Venedig. Das Fehlen fällt bei der Lektüre auf: Le Temps retrouvé, das wir ebenfalls bereitstellen, kommt auf „deux dalles inégales du baptistère de Saint-Marc“ (zwei ungleiche Steinplatten im Baptisterium von San Marco) wie auf eine bereits bestehende Erinnerung zurück, während unser Text die Szene nicht erzählt. Die modernen kritischen Ausgaben stellen diese Seiten nach dem Manuskript wieder her; da ihre Textkonstitution geschützt ist, können wir sie hier nicht übernehmen.

Zur Geschichte dieses Teils sei auf die Arbeiten von Nathalie Mauriac Dyer verwiesen, die die Untersuchung des Dokuments von 1986 fortgeführt hat: neben der im Zusammenhang mit La Prisonnière erwähnten zusammengeführten Ausgabe der Text der handschriftlichen Hefte, La Fugitive. Cahiers d’« Albertine disparue » (Le Livre de Poche classique, 1993); die Korrespondenz, die die Rolle der postumen Herausgeber beleuchtet, Robert Proust et la Nouvelle Revue française. Les Années perdues de la Recherche (1922-1931) (Gallimard, 1999); und eine Gesamtdarstellung, Proust inachevé. Le dossier « Albertine disparue » (Champion, „Recherches proustiennes“, 2005). Siehe auch Jean Milly, „La Fugitive disparue ?“, Bulletin Marcel Proust, Nr. 39, 1989, S. 45-51; sowie, zum Ursprung der venezianischen Episode, Jean Milly, „Problèmes génétiques et éditoriaux à propos d’Albertine disparue“, in: Marcel Proust. Écrire sans fin, hg. von Rainer Warning und Jean Milly, CNRS Éditions, 1996.

Le Temps retrouvé

Faksimiles: Gallimard, Bände 14 und 15 des Drucks von 1927, dem Jahr der Erstveröffentlichung. Transkriptionen korrekturgelesen, noch nicht validiert.

Der letzte postume Teil und der am wenigsten vorbereitete der drei: Von ihm existierte kein Typoskript. Die Herausgeber hatten als Richtschnur nur das Manuskript der Hefte, das unfertig geblieben war. Auch die Trennung zwischen diesem Teil und dem vorhergehenden, auf die in den Heften nichts hinweist, ist eine editorische Entscheidung.

Die übrigen Werke

Fünf Texte ergänzen die Recherche: zwei Bücher Prousts und zwei Ruskin-Übersetzungen, die zu seinen Lebzeiten erschienen, sodann eine postume Sammlung.

Les Plaisirs et les Jours

Das erste Buch Prousts, 1896 bei Calmann Lévy erschienen, mit Illustrationen von Madeleine Lemaire und einem Vorwort von Anatole France. Faksimile: die Erstausgabe von 1896. Transkription korrekturgelesen, noch nicht validiert.

La Bible d’Amiens

Prousts Übersetzung von John Ruskins The Bible of Amiens, eingeleitet von seinem Vorwort, 1904 bei Mercure de France erschienen. Faksimile: die Ausgabe von 1904. Transkription validiert.

Sésame et les lys

Prousts zweite Ruskin-Übersetzung, eingeleitet von „Sur la lecture“, 1906 bei Mercure de France erschienen. Faksimile: die Ausgabe von 1906. Transkription korrekturgelesen, noch nicht validiert. Der Wikisource-Eintrag gibt 1865 als Erstveröffentlichung an: Das ist das Datum von Ruskins englischem Original, nicht das der französischen Übersetzung.

Pastiches et Mélanges

Erschienen 1919 bei der Nouvelle Revue Française. Faksimile: der Druck von 1921, als siebte Auflage ausgewiesen. Transkription korrekturgelesen, noch nicht validiert.

Chroniques

Sammlung von Artikeln und kurzen Texten, nach Prousts Tod von seinem Bruder Robert zusammengestellt, 1927 bei der Nouvelle Revue Française erschienen. Faksimile: der Druck von 1936. Transkription korrekturgelesen, noch nicht validiert.

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