Kaltnadelradierung von Paul César Helleu — Oktober 2019
2019Am Mittwoch, den 2. Oktober 2019, erwarb die Société des Amis de Marcel Proust et des Amis de Combray bei einer öffentlichen Versteigerung im Hôtel Drouot eine Kaltnadelradierung von Paul-César Helleu. Dieses Werk bereichert die Sammlungen der Maison de Tante Léonie in Illiers-Combray und liefert ein einzigartiges Zeugnis der Freundschaft, die den Künstler und sein Umfeld mit Marcel Proust verband.
Der Auktionskatalog nannte die Identität der dargestellten Dame nicht. Es war Jean-Yves Tadié, Vizepräsident der Société, der sie als Mme Helleu identifizierte, die Ehefrau des Malers und eine Freundin Prousts. Über das Porträt hinaus untersucht die Broschüre, wie diese Druckgrafik — und das sie begleitende Saxes-Dekor — Proust zu einer Beschreibung von Odette de Crécy inspiriert haben könnte, und knüpft so eine unerwartete Verbindung zwischen Helleus Bildwelt und den Seiten der Recherche.
Präsentation
Madame Helleu écrivant ist eine kolorierte Kaltnadelradierung von Paul-César Helleu (1859–1927), datiert um 1902 und mit den Maßen 39,3 × 29,2 cm. Die Kaltnadelradierung ist eine Tiefdrucktechnik, bei der die Kupfer- oder Zinkplatte direkt mit einer Stahlnadel eingeritzt wird; die entlang der Linie stehen gebliebenen Metallgrate verleihen dem Abzug eine charakteristische Weichheit und Lebendigkeit, die eher an die Handschrift des Zeichners als an den Grabstichel erinnert. Die Nadel, die Helleu verwendete, bestand aus Diamant und wurde ihm 1887 von James Tissot geschenkt, als dieser diese Technik aufgab. Seine Virtuosität zeigt sich in der Schnelligkeit des Strichs, der Feinheit der Modellierung und der meisterhaften Wiedergabe von Haaren und Pelzen.
Das Werk zeigt Alice Helleu, geborene Louis-Guérin, die Ehefrau des Malers und unermüdliches Modell seiner gesamten Laufbahn, im Ambiente ihres Salon-Ateliers. In Weiß gekleidet, stützt sie sich beim Schreiben auf eine sogenannte „Prinz-Eugen"-Kommode im Empire-Stil — und richtet man das Bild mithilfe eines Spiegels wieder auf (denn der Druck kehrt die Zeichnung seitenverkehrt), erkennt man, dass sie die Worte « Mon cher Paul » niederschreibt. Es handelt sich um den Kopfabzug der Serie, also die Nummer 1 von 50 Exemplaren, was dem Werk einen außergewöhnlichen Seltenheitscharakter verleiht.
Der Erwerb fand am 2. Oktober 2019 im Hôtel Drouot statt. Obwohl der Verkaufskatalog die Identität des Modells nicht nannte, identifizierte Jean-Yves Tadié sie als Mme Helleu. Dieses Porträt besitzt in mehrfacher Hinsicht ein unmittelbares proustsches Interesse: Marcel Proust bewunderte Helleus Werk, unterhielt mit dem Maler und seiner Ehefrau bis 1922 einen regen Briefwechsel, und Helleu gilt allgemein als eines der Vorbilder für die fiktive Malerfigur Elstir in À la recherche du temps perdu — Proust selbst soll ihn bei einem Besuch um 1918 oder 1919 mit « Bonjour, Monsieur Elstir » begrüßt haben. Es ist zudem nicht auszuschließen, dass Proust sich von dieser Druckgrafik und ihrem Dekor aus weißem Porzellan inspirieren ließ, um Odette de Crécy inmitten ihrer Saxes in Du côté de chez Swann zu beschreiben.
Autoren und Mitwirkende
Élyane Dezon-Jones, Professorin emerita für französische Literatur, Spezialistin für Proust und Marguerite Yourcenar, Vorstandsmitglied der Société, zeichnet für die Studien „Saxes und Tanagren" und „Eine Freundschaft" verantwortlich, sowie gemeinsam mit Anne Imbert für den abschließenden Artikel.
Anne Imbert, Kunsthistorikerin, Absolventin der École du Louvre (Fachrichtung Druckgrafik), zeichnet für die Studien zur Technik der Kaltnadelradierung und zum Porträt von Mme Helleu verantwortlich, sowie gemeinsam mit Élyane Dezon-Jones für den abschließenden Artikel.
Éric Unger, Vorstandsmitglied der Société, übernahm die grafische Gestaltung der Broschüre.
Inhalt
- Paul Helleu, Porträtist mit der Kaltnadel
- Mme Helleu écrivant
- Saxes und Tanagren
- Eine Freundschaft
- « Bonjour, Monsieur Elstir »
Bibliografische Angaben
- Format: Broschur
- Preis: 4 €
- Verlag: Société des Amis de Marcel Proust et des Amis de Combray
- Druckerei: Chartres Repro
- Pflichtexemplar: November 2019